Eine Begegnung der besonderen Art

von Sebastian Schneider

Wenn man so ganz „zufällig“ am Freitag Abend, dem sogenannten Erev Shabbat (Abend vor dem jüdischen Feiertag Sabbat) in Jerusalem auf dem Vorplatz der Klagemauer (dem höchsten Heiligtum der Juden) einem sehr alten, deutschsprechenden Menschen jüdischen Glaubens begegnet – und wenn dieser alte Herr, dann auf die Auskunft unserer Reisegruppe, dass wir aus Lübeck sind, „uns auf den Zahn fühlt“, was wir denn so über die Lübecker Juden wissen und was das insbesondere mit dem Flüchtlingsschiff „Exodus“ zu tun hat – ja dann ist das schon eine sehr besondere, denkwürdige Begegnung, die man nicht so schnell vergisst, die lange nachwirkt und die „etwas zu tun verlangt“…

Beginn einer deutsch-israelischen Freundschaft - Fortsetzung demnächst in Kücknitz

Gegen das Vergessen aber auch für den Aufbau einer neuen Beziehung, dafür steht der geplante Jugendaustausch für junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren mit der nordisraelischen Stadt Ma’alot-Tarshiha, der im April hier zusammen mit Kücknitzer Jugendlichen durchgeführt werden soll. Diese Gelegenheit und tolle Chance für unseren Stadtteil hat sich sehr kurzfristig ergeben, da einem Hamburger Partner in diesem Austauschprojekt die Kapazitäten ausgegangen sind. Und nun soll ein großer Teil des Austauschprogramms in Kooperation mit dem Stadtteilverein „Kücknitz (er)leben“ nach Lübeck verlagert werden. Daraus ergibt sich auch die hervorragende Möglichkeit, dass im nächsten Jahr junge Erwachsene aus Kücknitz zum Gegenbesuch nach Israel fahren und so die begonnenen Beziehungen fortsetzen und vertiefen können – neben dem Entdecken des wundersamen und wunderschönen Heiligen Landes – natürlich.

Im Rahmen der Vorbereitungen gibt es schon ein Netzwerk aus mehreren Kücknitzer und Lübecker Vereinen und Organisationen, die dieses Projekt auf vielfältige Weise unterstützen, ideell, finanziell, durch die Mitgestaltung des Programms oder durch die Bereitstellung ihrer Räumlichkeiten und anderer Kapazitäten.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Austauschprojekt für den Stadtteil Kücknitz durch die Tatsache zu, dass sich nach Kriegsende am Ortsrand das britische Internierungslager „Pöppendorf“ befand. Hier wurden vom 8. September 1947 bis zum 5. November 1947 über 4.000 Holocaust-Überlebende, die mit dem Schiff „Exodus“ nach Palästina unterwegs waren, welches von den Briten gekapert wurde, noch einmal in das „Land der Täter“ zurückgebracht, hier eingesperrt und zum Teil von deutschem Lagerpersonal bewacht wurden.
… und zu eben diesen „Zurückdeportierten“ gehörte auch jener alte Mann, der uns im letzten Oktober vor der Klagemauer ansprach…
Es liegt in unserer Verantwortung diese gemeinsame Geschichte im Bewusstsein zu behalten und immer wieder in Erinnerung zu rufen – gegen das Vergessen.

Und so wird es aus dieser gemeinsamen Erinnerung, und insbesondere aus unserer beider Verantwortung für Gegenwart und Zukunft heraus (wieder) möglich ,mit den neuen Generationen auf beiden Seiten eine neue Beziehung in Freundschaft und gegenseitigem Respekt gelingen zu sehen.

HINWEIS: Es sind noch Plätze im Austauschprogramm frei, auf die sich junge Menschen aus Kücknitz und Umgebung melden können. Dazu braucht man nicht unbedingt bei sich einen Übernachtungsplatz anzubieten, denn es gibt auch einige, „freie“ Unterkunftsangebote.
Vielleicht gibt es auch in Ihrem Familien- und Freundeskreis oder Nachbarschaftsumfeld junge Menschen, die noch nicht von diesem Austauschprojekt gehört haben, aber gern dabei sein würden.

Bitte geben Sie diese Information weiter!

Auskunft erteilt, weitere Unterkunftsangebote sowie Mitmachzusagen nimmt entgegen:

Diakon Sebastian Schneider
Tel.: 0451/ 96 91 02 25
E-Mail: nah-ost@web.de

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