Essbare Stadt Lübeck – Möglichkeiten urbaner Selbstversorgung erkennen und nutzen


Netzwerk „Essbare Stadt“

 

Die Stärkung der städtischen Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ist ein bedeutsamer Beitrag für ein leises und klimafreundliches Lübeck. Das Problem Lärm und Energieeinsparung wird hier an der Wurzel angepackt, denn alles, was vor Ort erzeugt wird, muss nicht von weither mit hohem Energieeinsatz durch Flugzeugen und Lastwagen antransportiert werden.

Ziel ist, mit dem Netzwerk „Essbare Stadt“ alle bestehenden Lübecker Initiativen zu Biogärtnerei, (Klein-)Gärtnerei, Selbstversorgung zu vernetzen und zusammen mit motivierten BürgerInnen vielfältige neue Projekte zur Stärkung der Ernährungssouveränität, des Bioanbaus und der Krisenfestigkeit der Stadt ins Leben zu rufen. Zukünftige Lebensstätten der Selbstversorgung erhalten die grundlegenden Lebensressourcen, bilden heilsame Ruheinseln in der Stadt, sind Wissensspeicher, Lernort und Freiraum für partizipative Stadtgestaltung. Ausdrücklich erwünscht ist eine Vernetzung auch mit Initiativen aus dem Ernährungs-, Heil- und Gesundheitsbereich, der nachhaltigen (Umwelt-)Bildung, den Schulen sowie dem Sozialwesen. Wer hat eigene Projektideen? Wer macht mit? Ansprechpartnerin ist Ingrid Bauer: ingrid.bauer@luebeck.de. Erste konkrete Projektideen sind:

 

Essbare Stadt – „Gemüse-selbst-Ernte“

Für das Projekt „Gemüse-selbst-Ernte“ benötigt man 1,5 – 2 ha länglich geschnittenes Land. Dieses wird von der ProjektleiterIn mit Hilfe von Maschinen in Reihen mit Biogemüse bepflanzt und anschließend für eine Saison gegen eine Gebühr an die Interessenten in Parzellen von 40 – 80 m² abgegeben. Diese andere Form des Gärtners bietet folgende Qualitäten: qualifizierte Anleitung, sichere Ernte, zeitliche Bindung immer nur für eine Gartensaison, weniger Verpflichtungen als im Kleingarten, gemeinschaftliche Ausrichtung und Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten.

Das Projekt startet im Frühling 2013. Anbauflächen zur Gemüse-selbst-Ernte entstehen derzeit auf dem Gut Roggenhost, Backhauskoppel, Roggenhorster Straße 44-46. Es gibt etwa 25 Biogemüse pro Parzelle, mehrere Sorten Kartoffeln, dazu auf einer Gemeinschaftsfläche Kräuter und Sommerblumen. Ab sofort können Sie auf ihrer eigenen Parzelle die ganze Gartensaison ihr Biogemüse tatkräftig betreuen und ernten. Wer hat Interesse an einem saisonalen Garten? Ansprechpartnerin ist Gundela Bernhard: gundber@t-online.de.

 

Essbare Stadt – „Generationengarten Lorenz Nord“

Der „Generationengarten St. Lorenz Nord ist Teil der Quartiersentwicklung in St. Lorenz Nord“. Im Mittelpunkt stehen das Projekt „Quartiersbezogen alt werden“ von Gesche Peters und der Park am Ziegelteller, der sich in der Umgebung eines Altersheims, eine Kindertagesstätte sowie einer Schule in einem Quartier mit Geschosswohnungsbau der 50 – 60er Jahre und Reihenhäusern befindet. Angedacht ist, mit den Schülerinnen, SeniorInnen, AnliegerInnen generationenübergreifend den Park – heute eine typische öffentliche Grünfläche – als gemeinsamen Aktionsraum zu entwickeln. Entstehen könnte ein Generationengarten mit Hecken aus Wildobst, Kräuter- und Gemüsebeete, bunte Blumenwiesen, Heil- und Duftgärten, aber auch neuartige Bewegungsangebote – alles, was schmeckt und die Sinne anregt findet darin Platz. Das Projekt ist kooperativ, nachbarschaftlich und sozial ausgerichtet. Die AnliegerInnen kümmern sich unter Anleitung um den Garten und die Gemüsebeete, sähen, harken, ernten, ohne dass sie etwas dafür bezahlen. Ansprechpartnerin ist Gesche Peters: gesche.peters@faehrhof.eu. 

 

Essbare Stadt – „Flächenpotenziale für die städtische Selbstversorgung“

Die Stärkung der städtischen Autarkie in Bezug auf grundlegende Lebensressourcen wie Fläche, Bodengüte und Wasser für die Erzeugung von Nahrungsmitteln ist eine wichtige Zukunftsaufgabe der Stadtplanung und des Naturschutzes. Eine wesentliche Grundlage dafür besteht darin, die aktuellen Flächenpotenziale (z.B. innerstädtische Brachen, Gewerbebrachen, Bauerwartungsland, freie Parzellen in Kleingartenanlagen, Parks) für unterschiedliche Initiatorengruppen (z.B. Studentische Projekte, SeniorInnen, gemischte Nachbarschaften, SozialarbeiterInnen und HeilerInnen, die mit Behinderten und/oder Kranken arbeiten) systematisch erkunden, zu kartieren und zu bewerten. Endergebnis könnte ein GIS-gestütztes Flächenkataster sein. Ein Flächenkataster ist ein digitaler Kartenschrank. In Fachkreisen spricht man von Geoinformationssystemen (kurz GIS). Deutschlandweit nutzen Planungsämter GIS u. a. bei der Erstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen als Analyseinstrument. Einmal im GIS erfasst, können Standorte und räumliche Entwicklungen in der Stadt untersucht und nachvollzogen werden. So kann die Stadtplanung die alltäglich genutzten Flächen in zukünftige Entwicklungen einbeziehen. In einem studentische Projekt der FH Lübeck wird dafür als erster Teilschritt ein Kriterienkatalog für ein digitales Flächenkataster entwickelt. Ansprechpartnerin ist Kathleen Kressmann: kathleen.kressmann@fh-luebeck.de. 

 

Essbare Stadt – „Wissensbörse“

Wer weiß noch, wie man selber Sauerkraut macht? Wie man mit der Obst- und Gemüsefülle umgeht, die der Garten zur Erntezeit schenkt? Welche Wildkräuter kann ich noch essen, auch wenn Giersch, Löwenzahn und Gänseblümchen schon längst auf meiner täglichen Speisekarte stehen? Welcher Kochkurs ist für mich richtig, wenn ich neue pfiffige Rezepte aus dem Garten der Natur kennenlernen will? Lübeck hat einen reichen Pool an kompetenten BürgerInnen … Die Wissensbörse „Essbare Stadt Lübeck“ vernetzt Wissenskundige mit Wissensdurstigen und ist offen für alle Themen um Selbstversorgung, Konservierung, Nahrungsmittelzubereitung, (Kräuter-)Heilkunde, Pflanzenkunde, und ……. Wer kann Wissen weitergeben? Ansprechpartnerin ist Margrit Kröger: margritkroeger@t-online.de.

 

Essbare Stadt – „Lübecker Obst- und Gemüsebörse“

Einige haben viel zu viel, andere haben wenig oder gar nichts. Die Lübecker Obst- und Gemüsebörse vermittelt AnbieterInnen von Saisonobst und Gemüse – Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Johannisbeeren … mit InteressentInnen und AbnehmerInnen. Die Obst- und Gemüsebörse ist präsent im Internet, sollte parallel dazu aber auch nutzbar sein für Menschen, die nicht online sind. Ansprechpartnerin ist Margrit Kröger: margritkroeger@t-online.de.

 

Essbare Stadt – „Gemüse-Info“

Die Webseite www.gemuese-info.de ist ein unverzichtbarer Baustein für die „Essbare Stadt. Sie bietet umfassende Informationen rund um Gemüse, um den Anbau, die Verwendung in der Küche sowie gesundheitliche und geschichtliche Aspekte. Ausgezeichnet recherchiert, gut strukturiert, durch eigene Erfahrung fundiert und optisch ein Augenschmaus, wurde sie erstellt von der Lübecker Kulturwissenschaftlerin und Autorin mehrerer Gartenbücher Dr. Karen-Meyer Rebentisch. Hier werden nicht nur Selbstversorgungs-Neulinge fündig, sondern auch erfahrene GärtnerInnen – wer kennt beispielsweise Cardy, Haferwurzel und Knollenziest? Ansprechpartnerin: Dr. Karen-Meyer-Rebentisch: info@gemuese-info.de.

 

Essbare Stadt – Naturnahe Grünflächenplanung und-pflege: Vom Kosten- zum Nutzenfaktor

Intensive Grünflächenpflege belastet in hohem Maße den öffentlichen Haushalt. Gleichzeitig wünschen sich zahlreiche BürgerInnen Lübecks eine Grünflächenpflege, die die Lebensräume der Tiere schont und entwickelt. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach wohnungsnahen, von Schadstoffen unbelasteten Orten, an denen Wildkräuter, Wildbeeren, Essbares von Bäumen gesammelt werden können. 

In den vergangenen Jahren wird immer mehr Gebüsch und Unterholz im Rahmen von routinemäßigen Pflegegängen aus Grünflächen entfernt. Den Maßnahmen zum Fällen alter Bäume mit Totholzanteilen und Baumhöhlen aus Gründen der Verkehrssicherheit oder aus Gründen der Wohn- und Gewerbeentwicklung sind in der Vergangenheit mehr qualitativ hochwertige Altbäume und Lebensraumstrukturen zum Opfer gefallen als nachwachsen konnten. Prominente Beispiele sind die Wallanlagen sowie der Katzenberg. Viele BürgerInnen wünschen eine Trendwende.

Wildkräuter sind sowohl Lebenselexier für an einzelne Pflanzen gebundene Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten, als auch Lieferanten von wertvollen Inhaltsstoffen für eine gesunde Ernährung. Für Tier und Mensch essbare Bäume und Sträucher sind nicht nur Lebensraum, sie verbessern aktiv das Stadtklima und wären eine Wiederbelebung der „Allmende“. Von artenreichen Wildblumenwiese über Wildobst im Park bis zur Streuobstwiese ist in der naturnahen Grünflächenplanung vieles denkbar, was Mensch und Tier nützt. Gepaart mit einer Extensivierung der Grünflächenpflege, können damit Kosten gespart werden. Gesucht werden öffentliche und private Flächen für konkrete Entwicklungs- und Anpflanzungsmaßnahmen, die z.B. über Umweltstiftungen finanziert werden und beispielsweise mit Schülern als Partner und „Paten“ umgesetzt werden könnten. Fachliche Begleitung, längerfristige Betreuung und Unterstützung könnte über das Netzwerk Essbare Stadt bereitgestellt werden. Wer hat Ideen? Eine Kooperation mit Stadtgrün und Wohnungsbaugesellschaften ist ausdrücklich erwünscht. Ansprechpartner: Jörg Clement: joergclement@aol.com.

 

Essbare Stadt – Rohkostinitiative Lübeck

Geschützte und unbelastete Wildkräuterflächen in Lübeck sind unerlässlich für die Rohkosternährung. Um Wildkräutersalate und Smoothies vitalstoffreich zubereiten zu können, brauchen wir frische Zutaten in unmittelbarer Wohnungsnähe. Denn nicht allein kultivierte Obst- und Gemüsearten sind wichtig für unsere Gesundheit, sondern auch deren Kombination mit essbaren Wildkräutern und Baumblättern. Proteinreiche Wildpflanzen, wie Löwenzahn, Brennnessel, verschiedene Diestelarten und Wegerich, denen meist zu Unrecht Geringschätzung widerfährt, gehören ebenfalls auf den Speiseplan, wie die bunten Kleearten, schönblütigen Malvenarten, die blaue Wegwarte und Süßgräser. Ansprechpartnerin: Christa Fischer Tel. 0451 – 793115 und Ansprechpartner: Dieter Müller: dimuja@gmail.com

 

Essbare Stadt – Nachbarschaftsbeete in den Interkulturellen Gärten

Die Interkulturellen Bielefeldt-Gärten in Lübeck-Buntekuh öffnen nun bald wieder ihre Pforten. Nachdem im letzten Jahr das Gemüse auf Gemeinschaftsflächen angebaut wurde, werden nun erstmals auch Flächen für Nachbarschaftsbeete zur Verfügung gestellt. Ein Nachbarschaftsbeet hat eine Größe von ca 25m² und wird für die Dauer der diesjährigen Gartensaison gegen einen Nutzungsbeitrag zur Verfügung gestellt. Interessierte, die sich in dieser Saison gerne von der Einsaat über die Pflege bis hin zur Ernteverantwortlich um eines dieser Beete kümmern möchten, können sich ab sofort bewerben. Dieses Angebot richtet sich an Einzelpersonen genauso wie an kleine Teams, Familien und Institutionen wie beispielsweise Kindergärten und Schulen. Bei Interesse vermitteln wir auch gerne einen „Beetpartner“. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ilhan Isözen Tel.: 0451 75532 oder Elisa Brügmann Tel.: 0451 7060434. Ihre Kurzbewerbung richten Sie bitte schriftlich an ikb@hausderkulturen.eu oder an das Haus der Kulturen (IKB), Parade 12, 23552 Lübeck.

Das Kooperationsprojekt von Sprungtuch e.V., dem Haus der Kulturen, dem Kleingartenverein Buntekuh und dem Kreisverband der Gartenfreunde e.V. startet 2013 in die 2. Gartensaison. Das Projekt, das Menschen aller Kulturen und Altersstufen zum gemeinschaftlichen Gärtnern einlädt, bietet Raum für Begegnung, interkulturellen Austausch und Bildungsangebote. Die allgemeinen Öffnungszeiten sind immer freitags von 13 – 16 Uhr. 

 

Essbare Stadt – Lehr- und Kulturgarten „Das Paradeis vom Grünen Kreis“

„In einem Garten ging das Paradies verloren,in einem Garten wird es wieder gefunden.“
Sprichwort

Begeisterte und begeisternde Vertreter/innen der „grünen Zunft vermitteln Wissenswertes über ökologisches, naturverbundenes Gärtnern und Freude am Erproben und Gestalten eines wiederbelebten Kleingartenareals. 

Über ein Jahrzehnt schlummerten die einst angelegten und bewirtschafteten 424 Quadratmeter. „Wachgeküsst“, wiedererweckt, und behutsam bewirtschaftet, von kreativen Ideen geleitet, lädt der Verein von Gartenfreunden für Gartenfreunde „Grüner Kreis Lübeck e.V.“  alle leidenschaftlich Interessierten ein, gestaltend mitzuwirken und Ressourcen schonend zu ackern und zu pflegen.

Anschauliche Vortragsveranstaltungen und workshops runden das gärtnerisch-floristische Angebot ab und wecken die Lust am Gärtnern mit allen Sinnen. Gartengeschichtliches, Gartengeschichten, Lyrik, Prosa, Philosophie und Musik gehören gleichsam zur hier praktizierten Gartenkultur. Wann sich das Gartentor zu rechzeitig bekannt gegebenen Einladungen öffnen wird, ist zu erfahren unter www.gruener-kreis-luebeck.de oder telefonisch unter 04533 8535. Noch gibt es keine Laube im Garten und alle Veranstaltungen finden nur bei Trockenheit unter Geäst und freiem Himmel statt.

Die Gartengeräte sind seit April 2013 im Einsatz und helfende Hände herzlich willkommen – im Kleingartengelände Buntekuh, Tannenweg 77 (Eingang Grapengießerstr. 30).

Essbare Stadt – Teilprojekte in Vorbereitung

  • Selbstversorgung mit Tieren / Melanie Kossmann
  • Schul- und Kindergartenprojekte:
    Ein Baum für jedes Kind / Grundschule Marli
    Inselgarten am Kanal / Netzwerk Innenstadt
    Heilpädagogischer Garten und Schulgarten der Waldorfschule /
    Kooperation mit dem Kleingartenverein Hammer
  • Projekte/Kooperationen mit Lübecker Kleingartenvereinen:
    Kompostwirtschaft /Kleingartenverein Hammer & Waldorfschule
    Veranstaltungsreihe / Kreisverbandsprojektgarten der Lübecker Kleingärtner
    Kochkurse / Kleingartenverein Hammer

http://www.die-lernende-stadt.de/gruppe/netzwerk-essbare-stadt-luebeck